Die Leipziger Buchmesse – ein Event, dass man als Buch-, Hörbuch- oder auch Hörspielfan mal besucht haben sollte. Für mein zweites Interview in diesem Jahr habe ich Nadine Most getroffen. Sie ist nicht nur Autorin, sondern gestaltet auch Buchcover und steht bzw. stand darüber hinaus schon als Sprecherin am Mikrofon. In unserem Gespräch ging es um ihren kreativen Prozess, die Verbindung von Text, Bild und Stimme – und auch um die Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz in diesen Bereichen inzwischen spielt. Aber lest selbst, was sie zu erzählen hat.
Liebe Nadine, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.
Wir sind hier auf der Leipziger Buchmesse. Was bedeutet diese Veranstaltung für dich persönlich und beruflich? Ist sie für dich etwas besonderes, oder ein Event wie alle anderen auch.
Ich finde, die Leipziger Buchmesse ist schon besonders, weil sie viel größer ist. Und weil es gewissermaßen auch ein Statement ist, wenn man als Aussteller da ist. Ein Statement dafür, wo man hin will und dass man es ernst meint. Weil man auch ein beachtliches Investment hat, für die Standgebühr etc. Und von daher ist sie auf jeden Fall etwas Besonderes, weil sie auch ganz andere Ausmaße hat als die anderen Messen, auf denen ich sonst bin.
Wie startest du mit einer neuen Geschichte? Kommt zuerst die Geschichte oder erst die Figur, und du baust die Geschichte drumherum auf?
Oh, das ist ganz unterschiedlich. Ich sage immer, dass mir so Geschichtsfunken zufliegen. Und diese Funken können ganz unterschiedlich sein. Machmal ist es eine Szene, manchmal ist es die grobe Idee für eine Geschichte, manchmal mit Figuren, manchmnal ohne. Das ist wie so ein Gedankenblitz, der in meinem Kopf ist. Und da kann ich nicht gut steuern, was alles dabei ist, und was nicht.
Was reizt dich beim Schreiben am meisten? Das Erfinden neuer Welten, Figuren oder der Moment, wenn Leser und Lerinnen deine Geschichte aufnehmen?
Es ist schon von allem etwas. Der generelle Antrieb ist schon, etwas zu erschaffen, was vorher in meinem Kopf ist. Und dann ist es plötzlich nicht mehr in meinem Kopf, weil es auf wirklich gedruckten Seiten ist. Jemand anders kann es in die Hand nehmen, es lesen. Das kann als Produkt im Laden stehen. Und dann ist es natürlich auch, die Reaktion mitzubekommen. Wenn die Leute mein Buch in die hand nehmen, den Klappentext lesen. Oder wenn sie eine Rezension posten auf Instagram, dass sie begeistert waren, das ist einfach cool.
Du schreibst nicht nur Bücher, sondern hast auch schon Hörspiele geschrieben. Wenn du auf deine bisherigen Projekte zurückblickst, gibt es etwas worauf du besonders stolz bist?
Vielleicht kommt es daher, dass ich mit Hörspielen angefangen habe beim Schreiben. Aber ich finde, dass Dialoge definitiv meine Stärke sind. Also auch innerhalb von Büchern, finde ich die Dialogszenen immer am Stärksten. Und ich versuche für die Leserschaft auch immer gewisse Themen einzubinden. In „Sternenglanz“ zum Beispiel geht es viel um Mobbing und Gruppenbildung. In „Dating Black List“ geht es um psychicshe Angelegenheiten. Ich versuche immer, solche Dinge mitschwingen zu lassen. Sprich mehr oder weniger offentsichtliche Botschaften zu übermitteln.
Als Hörbuch- und Hörspielblog interessiert mich natürlich auch deine akustische Seite. Du bist selbst auch Sprecherin. Würdest du deine eigenen Bücher gerne als Hörbuch hören, oder auch selbst einsprechen wollen?
Ja. „Dating Black List“ ist sogar als Hörbuch gerade fertig geworden. Das habe aber nicht ich , sondern drei andere gesprochen. Weil ich auch finde, dass meine eigene Stimme überhaupt nicht zu den Charakteren passt. Also ich würde, nur weil auch Sprecherin bin, nie sagen, dass ich meine Bücher selber einspreche. Das ist mir auch bei Hörspielproduktionen schon immer sehr wichtig gewesen. Die Stimme muss einfach passen, und da hat es halt nicht gepasst. „Sternenglanz“ lese ich selbst noch als Hörbuch ein.
Du bist gelegentlich auch selbst als Sprecherin tätig. Wie unterscheidet sich das Gefühl, eine Geschichte zu schreiben, von dem Moment, sie mit der eigenen Stimme mit Leben zu füllen?
Also, die Hörbücher, die ich eingesprochen habe, sind ja in der Regel Geschichten von anderen gewesen, Das hat sich mehr nach Schauspiel angefühlt, in den Charakter einzusteigen und versuchen, ihn mit meiner Stimme zum Leben zu erwecken. So ist es, in die Rolle von jemand anderen zu gehen. Und diese Rolle selbst vorzugeben, weil ich sie geschrieben habe, das ist noch einmal ein ganz anderes Level.
Neben dem Schreiben gestaltest du auch Buchcover. Wie sehr beeinflusst dein Blick als Designerin schon während des Schreibens die visuelle Vorstellung eines Buches?
Das ist eine spannende Frage. Ich wünschte, ich hätte sie bei meinen eigenen Büchern auch ein bisschen mehr beherzigt, ehrlich gesagt. Beide Geschichten standen schon in der groben Idee, bevor ich überhaupt Cover gemacht habe. Deswegen hatte ich da jetzt nicht mehr so viel Einfluss., aber generell bei neuen Geschichten. achte ich schon darauf, dass es etwas gibt, dass gut grafisch darstellbar ist. Der Alexander Kopainski, ein ziemlich bekannter Cover-Designer, hat mal in einem Vortrag gesagt, dass eine Fantasy-Welt, in der die Leute nur durch Telekommunikation miteinander reden, lässt es sich nur schwer darstellen. Also ist es schon sinnvoll, beim Schreiben daran zu denken, dass man irgendeinen besonderen Stein oder ähnliches hat, was man grafisch aufgreifen kann. Bei meinen neuen Geschichten denke ich auf jeden Fall daran.
Was macht für dich ein wirklich gutes Cover aus – eines, das Leser im Buchladen oder auch im Onlineshop sofort neugierig macht?
Als Leserin muss für mich klar zuordbar sein, worum es in dem Buch geht. Also, welches Genre und welches Kernthema es ist. Und man ist natürlich auch vorbeeinflusst von seinen Präferenzen. An meinem Stand ist unschwer zu erkennen, dass ich der lila-rosa-Glitzerschiene angehöre. Deswegen schaue ich bei Covern in den Farben nochmal ganz besondes hin, dafür bei grünen oder gelben Covern eher nicht so. Auch wenn man es nicht merkt, wird man doch immer mehr oder weniger bewusst von seinen eigenen Präferenzen angetrieben.
Du vereinst mehrere kreative Rollen: Autorin, Designerin und Sprecherin. Beeinflussen sich diese Bereiche gegenseitig- und wenn ja, wie?
Ja, definitiv. Also am stärksten gemerkt habe ich es beim Schreiben. Ich hatte in einer Geschichte einen Namen, der war Cybill. Das kannst du so bescheiden aussprechen als Sprecherin, ich habe den Namen wieder geändert. Bei mir selbst laut vorlesen (man liest sich als Autor auch manchmal Sachen laut vor, um zu schauen, ob der Satzfluss passt), da bin ich schon ein paar Mal ins Stolpern gekommen. Und habe mir dann gedacht, nein das funktioniert so nicht. Und wie gesagt, dass man in der Geschichte etwas grafisch greifbares hat, was man fürs Cover verwenden könnte, das hat auf jeden Fall eine Synergie.
Kommen wir zum Thema KI. Sie wird kontrovers diskutiert, ist aber letztlich überall angekommen. Wie nimmst du die Entwicklung als Autorin wahr? Empfindest du sie als kreative Unterstützung oder eher als Herausforderung für Künstler?
Ich finde, KI in diesem Ausmaß und in dieser Zugänglichkeit ist eine Seuche. Ich habe das Gefühl, die Gesellschaft ist immer mehr dabei, ihre Intelligenz an bestimmten Stellen einzubüßen. Auch was Aufmerksamkeit und so weiter angeht. Und die KI, habe ich das Gefühl, befeuert das Ganze. Weil alles geht plötzlich so einfach. Du schmeißt ihr etwas hin, sie spuckt sofort etwas aus. Und das Gefährliche ist halt die Art und Weise, wie wir mit diesen Möglichkeiten umgehen. Nämlich, dass wir das für voll nehmen, dass wir die Antworten nicht überprüfen. Dass wir denken, oh schön, jetzt kann ich auch ein Buch schreiben, lasse mir von der KI das ganze Buch generieren und schnelles Geld machen. Das trägt schon fast zur Verdummung und auch zur Verwässerung bei. Die Geschichten werden immer gleicher, dadurch, dass die KI das Trainingsmaterial immer wieder recycelt. Von der Art und Weise, wie die KI entstanden ist, ganz zu schweigen. Allein deshalb lehne ich sie schon ab. Und ich denke, dass sie unserer Buchbranche nicht gut tut.
Zum Abschluss ein Blick nach vorn. Woran arbeitest du aktuell, und worauf darf sich deine Leserschaft und auch Hörbuchfans in nächster Zeit freuen?
Aktuell arbeite ich an „Sternenglanz 2“, dem zweiten Teil meiner Dilogie. Und an einem, ich nenne es mal Soft-Cyberpunk-Roman. Es ist ein typisches Cyberpunkt-Setting, aber die technischen Details sind nicht ganz so tief, wie man es vielleicht erwarten würde. Deswegen softe ich das ein bisschen ab.
Oh, da bin ich schon jetzt sehr gespannt. Nadine, hab vielen Dank für das Interview und hab noch eine erfolgreiche Buchmesse.
