CALVARIA – Ein Hörspiel von Lars Eickstädt

„Seit Anfang Juli gab’s die ersten Aufälligkeiten“ – „Seit dem zweiten Juli?“ – „Ja, genau. Und in letzter Zeit scheint es auch immer schlimmer zu werden. Es ist also ziemlich sicher, dass sich in dem Gebiet etwas komisches tut. Was auch immer das sein mag. Meine Kollegin Lotte hätte sicherlich gern, wenn ein alter Berggeist oder Sauron oder sowas dahintersteckt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es dafür eine wissenschaftliche Erklärung gibt. Und darum bin ich hier.“

Klappentext
Garwindel war erst der Anfang. Ein rätselhafter Fund im Burgmuseum Coppenbrügge führt zurück in die Tiefen des Ith – und zu einem dunklen Geheimnis hinter der Rattenfänger-Legende. Die Zeit läuft. Wer nach der Wahrheit sucht, muss bereit sein, an Wunder zu glauben.

Was uns erwartet
Darius und Elmar sind zurück. Nur zweieinhalb Monate sind nach den Ereignissen um den Wackelstein vergangen, als das nächste Unheil seinen Lauf nimmt. Bei einer Wandertour im Ith erleben Darius und sein Hund Barlow das nächste unheimliche Phänomen. Alles um sie herum flimmert und lässt die Luft wabern. Dazu scheint die Zeit nicht mehr natürlich zu laufen. Sie wirkt gestreckt und völlig verzerrt, dann wieder komprimiert und viel zu schnell. Was geschieht hier nur? Wie schon im Sommer beim Wackelstein geht Darius mit seinem alten Kumpel Elmar der Sache nach. Sehr schnell weist die Spur zur lokalen Sage des Rattenfängers von Hameln. Unterstützung bekommen die beiden diesmal von Podcasterin Mara. Diese betreibt, mit ihrer Kollegin Lotte den klangvollen Mystery-Podcast „Unheimlich, wunderbar, entzaubert“. Dabei gehen sie unheimlichen, mysteriösen Ereignissen auf den Grund und versuchen, selbige zu widerlegen oder zu beweisen.

Nerdstuff, Poppkultur und natürlich lokale Mythen
Wie schon in GARWINDEL, seinem Erstlingswerk, widmet sich Autor und Hörspielmacher Lars Eickstädt den lokalen Mythen und Legenden seiner Heimatregion. Diesmal ist er niemand geringerem auf der Spur als dem Rattenfänger von Hameln. Oder vielmehr seiner Flöte, dem legendären Instrument, auf welchem er seinezeit gespielt hat. Aber keine Angst, das wird hier keine trockene Geschichts- oder Märchenstunde. Zwar wird der Mythos um den Rattenfänger sachlich aufgearbeitet und der Hörerschaft nähergebracht, kommt aber nicht eine Sekunde lang schul- oder studienmäßig daher. Man beachte, die Hauptfiguren sind Tech-Nerds, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Damit mutet auch das Hörspiel mit einem leichten Augenzwinkern an, schafft es gleichzeitig aber, den Mystery-Charakter aufrecht zu halten und einen richtigen Spannungsbogen aufzubauen. Passend und wohldosiert bekommen wir auch diesmal ein paar schöne Easter Eggs mit Anspielungen auf die moderne Popkultur serviert. Sei es Elmar, der schonmal „den DeLorean volltanken“ möchte oder auch die Agenten Müller und Möller, die sich ebenfalls für die Vorkommnisse in der Teufelsküche interessieren. Gab es da nicht zwei Herren in einer Comicserie, die auch sehr ähnliche Namen hatten? Ich meine die beiden, die immer schwarze Anzüge und einen Bowler trugen. Mehr kann und möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Das würde zu sehr zulasten der Spannung und des Hörspaßes gehen. Ihr müsst es euch schon selbst anhören. Und keine Sorge, es dürften genügend Eater Eggs vorhanden, dass man bestimmt beim dritten oder vierten anhören noch welche findet.

Geräusche und Musik
Hier könnte ich fast eins zu eins den Absatz aus meiner Rezi zu GARWINDEL übernehmen. Aber eben nur fast, immerhin geht es hier nicht mehr um dem Wackselstein. Die temporalen Verzerrungen in der Teufelsküche haben es aber echt in sich. Das viel beschriebene Gewaber und der unstete Zeitfluss werden hier sehr gut hörbar und fast schon spürbar gemacht. Damit ist Hörspielmacher Lars Eickstädt ein sehr großes Kunststück gelungen.

Fazit
Nach drei langen langen Jahren wird die Ith-Saga endlich fortgesetzt. Und es hat sich gelohnt, die Fortsetzung muss sich kein Stück hinter ihrem Vorgänger verstecken. CALVARIA ist ein toll erzähltes, mit viel Liebe zum Detail inszeniertes Mystery-Hörspiel, dass eine kleine Nostalgie-Welle vor sich herschiebt, und es so zu einer Hommage an die Generation Kassettenkind macht. Bleibt nur abzuwarten, wann und wie es weitergeht. Denn so viel kann man sagen, die Geschichte um den Ith ist noch nicht zu Ende.

Label
HörTalk
Hörspielprojekt

Informationen zur Produktion
Idee und Skript, Musik und Sound, Grafik und Artwork,
Regie und Schnitt: Lars Eickstädt
Lektorat: Alexandra Begau

Assistance Audio Controlling: Markus Hildebrandt
Source Music von Aram Chaos, Yarrandoo, Toys For Joy, Stromfire und Wildfire Scars

Die genannten Orte und historischen Bezüge sind real. Alle Handlungen und Charakterdarstellungen in diesem Hörspiel sind jedoch frei erfunden. Die künstlerische Verwendung historischer Personen dient ausschließlich erzählerischen Zwecken und stellt keine Tatsachenbehauptungen dar.

Eine Stromschlag Audio Produktion in Zusammenarbeit mit Hoertalk.de
Dieses Hörspiel steht unter CC 4.0 für nicht-kommerzielle Verwendung.

Erscheinungsdatum
Premiere feiert die Jagd nach der legendären Flöte am kommenden Freitag, den 23.01.2026 bei HörTalk, Hörspielprojekt, YouTube sowie auf allen gängigen Streamingportalen.

Sprecher/Sprecherinnen
Erzählerin – Anke Bothe
LUISA – Laura Górecka (Goretzka)
JUSTUS – Ben Hofmann
DARIUS – Lars Eickstädt
LOTTE – Melle Teich
MARA – Cynthia Taha
ELMAR – Philip Bösand
ERIK – Michael Malewski
ASTRID – Christine Helmeke
IRMGARD – Tina Wolff
MÜLLER – Matthias Heyl
MÖLLER – Markus Hildebrandt
IGOR – Frank Spiegel
RADIOSPRECHERIN – Dorle Hoffmann
KURATOR – Marvin Kopp
Barlow – Kokopelli
Credits – Lorenza Schöck


In eigener Sache
Für diesen Blogbeitrag wurde mir das Hörspiel vorab zur Verfügung gestellt. Der Beitrag wurde von mir verfasst und stellt meine persönliche Meinung zum Hörspiel dar. Dabei wurde ich von keinem der mitwirkenden Künstler oder Labels beeinflusst.

Hinterlasse einen Kommentar