Es gibt Neugkeiten aus dem Klausstudio. Naja, vielmehr hat es jetzt den klangvollen, schon fast epischen Namen Runenklang Studios. Und heute geht mit „Die Abtrünnigen“ die erste eigens produzierte Serie an den Start. Die Auftaktfolge trägt den schlichten Titel Therianer. Ich durfte schon ein bisschen früher reinhören. Wie mir die neue Serie gefällt – lest am besten selbst.
Klappentext
Dunkles Mittelalter, nackter Überlebenskampf und harte Glaubenskriege, gesponnen in ein Netz einer düsteren Fantasyserie, besetzt mit vielen bekannten Stimmen der deutschen Synchronsprecherszene. Eine Welt voller Intrigen und Gerüchte, in welcher das wahrhaft Gute nicht existiert. „Der Orden“ übernimmt mit harter Hand immer mehr Teile des Kontinentes Valeria, verbreitet den Glauben an die drei Gottheiten um die schändlichen Therianer vom Antlitz der Erde zu tilgen. Tharina: Die junge Ministrantin des Ordens, muss Mos Radon bei einer Segnung begleiten, die ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Bereits in ihren jüngsten Jahren erlebt sie hautnah die schrecklichsten Qualen anderer und steht in einem Zwiespalt aus Glauben und Zweifel. Floran: Tharina´s Bruder im Geiste, bemerkt ihre Veränderung zu spät, als der gesamte Orden bereits in Aufruhr ist. Eine Jagd beginnt, in welcher er seinen Glauben stählen muss, um die Gunst des Ordens nicht zu verlieren.
Zum Start eine Triggerwarnung
In Hörspielen von Benedict Matysik geht es nur selten bis gar nicht zimperlich zur Sache, das ist hinreichend bekannt. Aber wenn die Worte „Dieses Hörspiel enthält Szenen mit Darstellungen von expliziter Gewalt“, saft in den Kopfhörern erklingen, bevor das Hörspiel anfängt, dann können wir davon ausgehen, dass es noch sehr brutal zugehen wird.
Während ich noch darüber sinniere, sollte sich meine Überlegung bestätigen. Es erklingt Kettengerassel, gefolgt von schmerzhaftem Wimmern einer Frau, die gleich ihrer gerechten Strafe zugeführt werden soll. Ihr Vergehen – sie ist kein Mensch. Sie wurde als Therianerin geboren. Und nein, hier geht es nicht um Identitätsprobleme. Therianer sind sogenannte Mischwesen aus Mensch und Tier. Äußerlich erscheinen sie menschlich. In Angst- oder Stressituationen aber nehmen die ihre tierische Gestalt an. Ein mysteriöser Orden hat sich zur Aufgabe gemacht, die Therianer zu jagen und auszurotten. Alles in Namen der Götter, versteht sich.
Doch wo kommen die Therianer her? Warum gibt es sie überhaupt, und wie sind sie einst entstanden?
All diese Fragen sind für den Orden nicht von Relevanz, einzig ihre Vernichtung scheint von Interesse. Die junge Ministrantin Tharina ist es schließlich, die von Zweifel geplagt wird und beginnt, den Orden sowie dessen Vorgehensweise zu hinterfragen.
Der Orden führt mit harter Hand
Wie so oft wird die heranwachsende Generation in einem Konstrukt aus Angst und Gewalt im Zaum gehalten. Glaube und Gehorsam, statt Wissen und freier Wille, könnte man sagen. Aber Tharina ist anders. Jede Züchtigung, jeder Peitschenhieb trägt mehr zur Stärkung ihres Charakters als zu dessen Bruch bei. Nach der sogenannten Segnung, welcher sie beiwohnen musste, gibt es für sie kein Schweigen mehr. Sie muss eine Entscheidung treffen.
Die Stimmen
Wie immer sind es die Sprecher und Sprecherinnen, die ihren Figuren Leben einhauchen. Waren es seinerzeit im Klausstudio noch überwiegend unbekannte Sprecher und Sprecherinnen, die zum Einsatz kamen, so konnte nun die eine oder andere namhaftere Stimme gewonnen werden. Bitte nicht falsch verstehen, mir haben Casts in früheren Hörspielen insofern immer gefallen, weil die Hörspiele sich so etwas mehr vom Mainstream abgrenzt haben. Davon geht jetzt ein kleines Stückchen verloren, weil die bekannteren Stimmen in vielen großen Produktionen zu hören sind. Aber es ist schon sehr prestigeträchtig, wenn sich große Stimmen wie Carlotta Pahl, Markus Pfeiffer oder auch Björn Schalla, um nur einige zu nennen, die Türklinke zur Sprecherkabine in die Hand geben.
Carlotta Pahl kennen wir unter anderem als Eleven aus „Stranger Things“. Hier leiht sie Hauptfigur Tharina ihre Stimme, was wunderbar funktioniert. Sehr häufig werden jugendliche Charaktere von Erwachsenen gesprochen, was an sich nicht schlimm ist. Carlotta Pahl hingegen ist gerade mal Anfang zwanzig, und so freue ich mich sehr, dass Tharina nicht die Stimme einer vierzigjährigen hat. Für Floran, Tharinas Bruder im Geiste hat sich Hörspielmacher Benedict Matysik selbst ans Mikrofon gestellt. Er mag kein Jugendlicher mehr sein, bringt den herzensguten, leicht verschüchtern und unbeholfenen Floran doch sehr überzeugend rüber.
Geräusche und Musik
Auch diesmal gibt es kein Sounddesign von der Stange. Hörspielmacher Benedict Matysik macht alles selbst. Jedes Staubkörchen, welches aufgewirbelt wird, jeder Peitschenhieb, jedes Hufgetrappel. All das entsteht in mühevoller Handarbeit. Ebenso die Musik, die, unter uns gesagt, schon sehr episch anmutet und das Herz eines jeden Hörspielliebhabers und -liebhaberin höher schlagen lässt. So einen Aufwand betreibt sonst kaum jemand. Im Hörspielbereich fallen mir aus dem Stand nur die Ohrenkneier ein.
Fazit
Puuh, was für eine Auftaktfolge. Wir haben ein düsteres Setting, das uns das Bild einer gespaltenen Gesellschaft aufzeigt. Glaube, Angst und Denunziantentum dominieren den Alltag. Aber wie es auch in der realen Welt immer passiert, bringt auch diese Welt schließlich starke Charaktere hervor, die anfangs noch keine Ahnung um ihre eigenen Fähigkeiten haben. Ein würdiger Auftakt, sowohl für die neue Serie als auch für das neue Label. Den Namen Runenklang Studios sollten wir uns in jedem Fall merken. Von mir gibt es eine ganz klare Hörempfehlung.
Label
Runenklang Studios
Regie
Benedict Matysik
Erscheinungsdatum
30.10.2026
Sprecher/Sprecherinnen
Tharina – Carlotta Pahl
Floran – Benedict Matysik
Mos Dali – Günter Merlau
Mos Radon – Jan Abraham
Dom – André Beyer
Saryn – Ivana Konovic
Cre 2 – Matthias Hoff
Cre 1 – Markus Pfeiffer
Unbekannte Frau – Caroline Rohrbach
Dorfbewohner 1 – Joe Gales
Dorfbewohner 2 – Sebastian Rettinghaus
Therianer – Gerd Haas
Xandor – Björn Schalla
In eigener Sache
Für diesen Blogbeitrag wurde mir das Hörspiel vorab zur Verfügung gestellt. Der Beitrag wurde von mir verfasst und stellt meine persönliche Meinung zum Hörspiel dar. Dabei wurde ich von keinem der mitwirkenden Künstler oder Labels beeinflusst.
