Der letzte Tag der Schöpfung

Lange haben wir darauf warten müssen, jetzt ist es endlich erschienen. Der neue Werk des Ohrenkneifers – Der letzte Tag der Schöpfung. Ein Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Jeschke. Besucher der Hörmich konnten sich ihr Exemplar bereits eine Woche vor dem eigentlichen Erscheinungstag sichern. Aber lest am besten selbst…

Im Mittelmeerraum tauchen mehrere mysteriöse Fundstücke auf, die alle militärischen Ursprungs sind. Ein Stück eines Schlauches einer Atemmaske für Kampfpiloten, der Lauf eines Granatwerfers, der sich noch in der Entwicklung befindet und das Chassis eines Armee-Jeeps. All das bringt das US-Militär dazu, die größte und waghalsigste Unternehmen der Geschichte in die Wege zu leiten – Operation Westsenke.

Da Zeitreisen offensichtlich möglich sind, sollen Truppen, Techniker und Ingenieure 5,3 Millionen Jahre in die Vergangenheit geschickt werden. Dort sollen sie eine Pipeline durch das noch leere Mittelmeerbecken bauen. Mit dieser sollen die hiesigen Erdölvorräte abgepumpt werden, bevor sie später von arabischen Ölscheichs in Besitz genommen werden können. Mit diesem Eingriff in die Geschichte soll der Wohlstand und die Zukunft der westlichen Welt und vor allem der USA gesichert werden.

So weit der Plan. Doch es kommt, wie es kommen muss. Gerade in der Vergangenheit angekommen, finden sich die Truppen in einer lebensfeindlichen Welt wieder, die noch nicht bereit für den Menschen ist. Außerdem müssen sie die bittere Erfahrung machen, dass die Amerikaner offenbar nicht die ersten sind, die über die Möglichkeit des Zeitreisens verfügen. Sie sehen sich einem übermächtigem Feind gegenüber und müssen ihren Einsatz als gescheitert erklären, noch bevor er wirklich angefangen hat.

Was für ein Hörspiel!
Es handelt sich hier um die Vertonung eines knapp 40 Jahre alten Science Fiction Romans, der erstmalig vor knapp 40 Jahren erschienen ist. Neben der Zeitreise wird hier die Vorherrschaft ums Öl thematisiert. Damit ist die Geschichte heute inhaltlich aktueller denn je. Gezeichnet wird eine prähistorische Welt, die sich noch in ihrer Entwicklung befindet, lange bevor es uns Menschen gab. Und die wenigen Individuen, die hier ohne Aussicht auf eine Heimkehr gestrandet sind, haben nichts besseres zu tun als sich zu bekämpfen.

Tatsächlich gefällt mir die Vertonung noch besser als die Romanvorlage. Schon die vorgetragene Vita des Protagonisten Steve Stanley, welche vom gleichmäßigen Uhrenticken begleitet wird, lässt schon die erste Gänsehaut aufkommen und fängt den Hörer augenblicklich ein. Auch die massive Bildgewalt, mit der nicht nur die Landschaften, sondern auch die einzelnen Figuren und deren Tiefe beschrieben werden, wurden wunderbar ins Hörspiel übertragen.

Die Sprecherleistung ist, wie immer beim Ohrenkneifer, erstklassig. Jeder einzelne Sprecher kann in seiner Rolle überzeugen. Ein ganz großes Lob geht an dieser Stelle an Uve Teschner, der sowohl den jungen, als auch den alten Harald Olsen spricht. Auch Detlef Tams liefert in der Rolle des Affenmenschen Goodluck eine besondere Leistung ab. Sein Spiel erinnert sehr stark an Caesar aus der Planet-der-Affen-Trilogie, aber genau so hatte ich ihn mir schon beim lesen vorgestellt. Animalisch, wild, dabei auch menschlich und empathisch.

Auch die Musik sitzt zu jeder Zeit perfekt und lässt keine Wünsche offen. Sie ist episch, energiegeladen, melancholisch. Kurzum, alles was ein gutes Hörspiel braucht.

Fazit: Mit Der letzte Tag der Schöpfung liefert der Ohrenkneifer ein weiteres Meisterwerk ab. Ein Sci-fi Hörspiel mit einer packen Geschichte, wie sie sich tatsächlich zutragen könnte. Ein Hörspiel, dass mich sehr zum nachdenklich über unseren Platz in der Evolution und über die Zerbrechligkeit unserer Zivilisation gestimmt hat. Für mich ist es jetzt schon eines der besten Hörspiele dieses Jahres. Von mir gibt es hier alle 10 von 10 Punkten!

Label
Ohrenkneifer

Regie
Marc Schülert

Erscheinugsdatum
13.09.2019

Sprecher
Erzähler – Gordon Piedesack
Steve Stanley – Marc Schülert
Jerome Bannister – Urs Fabian Winiger
Harald Olsen – Uve Teschner
Admiral Francis – André Beyer
Paul Loorey – Friedhelm Ptok
Murchinson – Dirk Hardegen
Commander Walton – Martin Sabel
Ruiz – Robert Frank
Goodluck – Detlef Tams
Howard Harness – Achim Barrenstein
Manley – Michael-Che Koch
Bailey – Oliver Kube

sowie Elmar Börger, Timo Kinzel – Richard Barenberg, Sascha Krüger, Horst Kurth,
Jens Wenzel, Vanida Karun, Bert Stevens, Paul Burghardt, Christiane Marx, Tom Steinbrecher

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