Blaues Herz (Teil 1)

„Warum wollen Sie unbedingt erfahren, ob ich ein Polizist bin oder nicht? – Ach, nur so. Ich möchte halt wissen, mit wem ich es zu tun habe. Und warum wollen Sie meine Frage weder dementieren noch bestätigen? – Nun, beinahe aus demselben Grund, nur anders herum. – Wie meinen Sie das? – Ich möchte nicht wissen, mit wem ich es zu tun habe. Ich möchte es herausfinden. Ohne lästige Vorkenntnisse, die zweifellos auch gleich Vorurteile mit sich bringen.“

Ein Kommissar im Ruhestand. Eine Lawine. Ein Mord…
Hans Berg, ein pensionierter Kommissar, wird auf der Fahrt zu seiner Ehefrau von einer Lawine überrascht. Er kann sich in ein riesiges Anwesen in Bergen retten, welches sich als ein Mädcheninternat mit dem Namen Hügelblick entpuppt. Er findet in dem Internat Unterschlupf vor der Naturgewalt, doch leider trifft er dort auch auf etwas, was er hinter sich lassen wollte. Hans Berg hatte gehofft Verbrechen und Tod „zu den Akten zu legen“, wird jedoch auf eine andere Art mit seinem alten Beruf konfrontiert.

Eiskalt erwischt
Dezember 1976. Hans Berg, Kommissar a. D., vermutet, dass seine Frau, die sich gerade auf einer Kur befindet, ihm untreu ist. Da ihn der Gedanke nicht loslässt, nimmt er trotz Unwetterwarnung die lange Fahrt zu ihr auf sich, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Als er noch etwa 2 Stunden Fahrt vor sich hat, steigen wir, die geneigte Hörerschaft, ein und begleitet ihn. Genervt vom unqualifizierten Gequatsche des Radiomoderators und immer schlechter werdenden Empfangs hängt Berg seinen Gedanken nach und lässt das letzte Telefonat mit seiner Frau Ulrike Revue passieren. Schließlich kommt es wie kommen muss – in den Bergen (die Region wird nicht namentlich genannt) löst sich eine Lawine und verschüttet die Straße und Bergs Auto. Sich selbst kann er aus eigener Kraft befreien, aber der Wagen steckt erstmal fest! Zuflucht findet Berg kurz darauf im nicht weit entfernten Mädcheninternat Hügelblick…

Was für ein starkes Intro
So viel zur Ausgangssituation. Ich könnte mir das weitere Geschehen jetzt noch stundenlang auf der Zunge zergehen lassen. Aber ich möchte jetzt nicht zuviel vorwegnehmen. Immerhin soll es Euch beim anhören genau so viel Spaß machen wie mir. Bemerkenswert an dieser Stelle: Die ersten Minuten des Hörspiels werden von Hans Berg (Ekkehardt Belle) ganz im Alleingang getragen. Ja, ich weiß, aus dem Radio kommen auch einige (schnarrende) Worte, bevor der Empfang angesichts des Schneesturms in die Knie geht. Die Namen, die der Wellensalat da so von sich gibt, sind übrigens nicht irgendwelche, sondern hier werden alle am Hörspiel mitwirkenden Künstler und Künstlerinnen genannt – toll gemacht!

Eine handvoll Menschen in einem alten Haus
Wir befinden im Dezember 1976, und die Weihnachtsferien haben schon angefangen. Die meisten Schülerinnen sind schon zu hause bei Ihren Familien. Das Internat steht also fast leer. Es sind nur die Schülerinnen Susanne Meuren, Petra Schubert und Yami Safaia sowie Hausmeister Michael Sturm und Schulleiterin Annegret von Garmisch anwesend. Und die ganze Zeit liegt schon ein kleiner Hauch von Verbrechen in der Luft. Ja, es geht um einen Mord, das verrät schon der Klappentext. Aber bis dieser schließlich geschieht, weiß das Hörspiel einfach großartig zu unterhalten. Die Kulisse wird sehr detailreich beschrieben, lässt aber noch genug Spielraum offen für das eigene Kopfkino. Auch nimmt das Hörspiel sich Zeit, um die Charaktere vorzustellen. Hier schleicht sich aber das Gefühl ein, dass keiner von ihnen wirklich unschuldig ist. Irgendetwas zu verbergen haben sie alle.

Teil 1 von 2
Blaues Herz ist ein zweiteiliges Hörspiel. Also, wie sollte es auch anders sein, endet der erste Teil mit einem Cliffhanger, der schon jetzt viel Vorfreude auf den zweiten Teil macht.

Starke Figuren und tolle Stimmen
Hinter den Figuren verbergen sich hevorragende Sprecher und Sprecherinnen, die ihre Sache sehr sehr gut machen. Petra und Susanne werden von Saskia Haisch und Sara Wegner gesprochen. Zusammen geben die beiden die besten Freundinnen, die sich aber nach jüngeren Ereignissen nur noch bedingt über den Weg trauen. Yami Safaia, die dritte Schülerin im Bunde, wird von Angelika Osusko gesprochen. Über Yami erfahren wir im ersten Teil nur wenig. Nur so viel, dass sie in den Reihen ihrer Mitschülerinnen nicht wirklich beliebt ist. Das wiederum beruht auf völliger Gegenseitigkeit, auch sie selbst hat nicht besonders viel für Ihre Mitstreiterinnen übrig. Schulleiterin Annegret von Garmisch ist streng aber fair und legt großen Wert auf Etikette und korrekte Umgangsformen. Die Figur ist allerdings so überzeichnet, dass man das Augenzwinkern praktisch hören kann, wenn sie die Bildfläche betritt. Gesprochen wird sie von Henrike Tönnes. Hans Berg wird gespochen von Ekkehardt Belle. Eine Stimme, die wohl jeder aus Film, Fernsehen und natürlich Hörspiel kennt. Ekkehardt Bell ist unter anderem die deutsche Synchronstimme von Erik Roberts (The Dark Knight, The Expandables). Und wer sich noch daran erinnern kann, er war auch die Stimme von Dr. Banner in der TV-Serie „Der unglaubliche Hulk“. Seinen wohl bekanntesten Hörspiel-Einsatz hatte er als Deputy Landers in Monster 1983.

Geräusche und Musik
Die Musik und das Sounddesign stammen von Tom Seinbrecher und lassen keine Wünsche offen. Die Musik mutet an, als stammte sie direkt aus einer 1970er Jahre TV-Serie und passt wunderbar zum Setting des Hörspiels. Die Geräusche sind fast eine klasse für sich. Der Schneesturm und das (fast) leere Schulgebäude sind schon fast körperlich spürbar. Herrlich!

Fazit
Der Winter lässt zwar noch etwas auf sich warten, aber Blaues Herz ist ein Hörspiel, dass perfekt in die diese Jahreszeit passt. Ein Hörspiel, dass man mit am besten im heimeligen Wohnzimmer mit einem heißen Tee (oder Kaffee natürlich) anhören sollte. Für mich gehört Blaues Herz schon jetzt zum Pflichtprogramm für die dunkle Jahreszeit.

Label
Wolfy-Office

Regie/Autor
Thomas Plum

Erscheinungsdatum
19.11.2021

Sprecher
Hans Berg – Ekkehardt Belle
Susanne Meuren – Sara Wegner
Petra Schubert – Saskia Haisch
Yami Safaia – Angelika Osusko
Annegret von Garmisch – Henrike Tönnes
Michael Sturm – Volkram Zschiesche


In eigener Sache
Für diesen Blogbeitrag wurde mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Beitrag wurde von mir verfasst und stellt meine persönliche Meinung zum Hörspiel dar. Dabei wurde ich von keinem der mitwirkenden Künstler oder Labels beeinflusst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s